Das zusätzliche PLUS der Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz

Die Geschichte der Greizer Textilindustrie

Blick auf Greiz-Aubachtal um 1935, hier befanden sich viele Betriebe. Vorn im Bild die Firma Georg Schleber, Färberei und Veredlung (später VEB Greika VI/1), dahinter die Weberei Gebrüder Albert (VEB Greika VI/4)

Dieter Obenauf

Groytz (heute Greiz) wurde 1209 erstmals urkundlich und 1359 als (Stadt) erwähnt. Aus der Sicht der Textilbranche sind Hinweise aus dem Jahre 1450 bekannt. Dort wurde urkundlich das Entstehen von Tuchmacherzünften dokumentiert. Ab diesem Zeitpunkt erlangte die Tuchmacherei große Bedeutung. In den Städten des reußischen Vogtlandes - Hof, Plauen, Greiz, Schleiz, Weida, Gera - entstanden Tuchmacherzünfte. Ihre Produkte wurden durch den allgemeinen Welthandel den Märkten Asiens, speziell Ostindiens, zugeführt. Im folgenden Jahrhundert wurde mit der Entdeckung Amerikas auch dieser Weltteil dem Handel geöffnet. Ab 1487 fand das Leineweberhandwerk in Greiz Erwähnung. Im 16. zum 17. Jahrhundert bestimmte ausschließlich das Handwerk der Leineweber das Wirtschaftsleben in Greiz. Seit 1570 siedelten sich u. a. Zeugmacher aus Holland an. Die Dokumentationen über den Beginn der Zeugwirkerei (Gewebeherstellung) in Reuß Greiz sind spärlich. 

Aus vorliegendem Urkundenmaterial geht jedoch hervor, dass den Leineweberzünften am 30. Juni 1623, am Montag nach Petri-Pauli, ein Innungsbrief mit 22 Artikeln worden ist. Darin wurde den Meistern des Leineweberhandwerks das Recht zugestanden, das für ihren Betrieb erforderliche Garn einzukaufen und den Garnverkäufern die Pflicht auferlegt, ihre Ware zuerst dem Vormeister des Leineweberhandwerks anzubieten. 1673 erfolgte der Zusammenschluss der Zeugwirker als Zunft. Am 21. Juni des gleichen Jahres wurde dann die erste Greizer Zeugwirker Innungsurkunde durch den Landesherren, Heinrich den Mittleren Reuß, erteilt. Dieser Zunftbrief charakterisierte eindeutig die Formen der Herstellung und des Verkaufs. Im Jahre 1718 wurde die Handelsfirma Oehler und Unger erwähnt. Es war die erste Nachricht über Greizer Kaufleute. Bereits 1754 gab es 10 Fabrikantenfirmen. 1760 erreichte dann die Produktion heimischer Erzeugnisse ihre Hoch-Zeit. 1779 verfassten sechs Greizer Meßfieranten (auf die Messe ziehende Fabrikanten und Meister) eine Bittschrift. Sie wollten auch mit eingekaufter Ware Handel betreiben. 1780 kam der völlige Zusammenbruch der Greizer Wollweberei. Einfuhrverbote reußischer Produkte in Sachsen, Preußen, Böhmen, Ungarn und Österreich sowie die Konkurrenz und die Einfuhr englischer Feinwollgewebe waren nicht auszugleichen. Dieser Krise wurde 1798 mit der Produktionsumstellung auf Baumwollgewebe begegnet. 

Den nächsten Einbruch erlebte die Stadt Greiz 1802 durch den verheerenden Stadtbrand. Fasst 40 % der ansässigen textilen Standorte wurden vernichtet.

In der Zeit von 1810 bis 1815 entstand eine Reihe von Textildruckereien. Im Jahre 1821 hielt in Greiz auch die Baumwoll-Maschinenspinnerei mit der Installation einer Maschine im alten Eisenhammer am Quirlbach, unterhalb des Gommlaer Berges, Einzug. Kaufmann Serno war der Erbauer der Fabrik, die später unter dem Namen Spinnerei Beck in die Greizer Textilgeschichte einging. 1837 wurde durch den Leineweber Köhler erstmals der Versuch unternommen, einen Webstuhl zu mechanisieren, was jedoch missglückte. Erst 25 Jahre später, im Mai 1862, wandte sich der Fabrikant Johann David Löffler aus Greiz an die Landesregierung und bat um die Erlaubnis zur Aufstellung von vier mechanischen Webstühlen, die er aus Bradford bezog. 1892 waren bereits 11.205 mechanische Webstühle (Webmaschinen) unterschiedlichen Typs in Betrieb.

Parallel dazu entwickelte sich in Greiz auch der Textilmaschinenbau. So gründete Otto Spaleck 1869 sein Unternehmen. Die Firmen Hermann Grosse (1878 in Greiz-Rothenthal gegründet) und Schleicher (1892) kamen hinzu. Um sich von Zulieferanten unabhängig zu machen, erweiterte die Firma Grosse die Produktion durch den Aufbau von Kapazitäten wie Tischlerei, Gießerei, Drahtwarenabteilung und Teilbohrerei. Weitere Industriezweige, Weißnähereien, Konfektionsbetriebe und Produktionsstätten für Webereihilfsgeräte, kamen hinzu.

Ausgehend von dieser rasanten Entwicklung der Textilbranche wurde 1879 in Greiz die Webschule gegründet. Zu ihr gehörten die Bereiche Stickereifachschule und Stopffachschule, Warenprüfungsstelle für das Textilgewerbe und öffentliche Konditionieranstalt.

Im Zuge der sich ständig weiterentwickelnden Technik in allen Bereichen wurde der Ruf nach gut ausgebildeten Fachkräften immer lauter. Dem wurde mit dem Aufbau einer Berufsausbildung Rechnung getragen.

Firma Müller & Kramer in der Rosa-Luxemburg-Straße, später VEB Record und zuletzt VEB Greika Werk II/2

Die Blütezeit der Greizer Textilindustrie war Anfang des 20. Jahrhunderts. Dr. Doehler prägte die Worte: Was Greiz gewebt und Greiz gefärbt, das hält bis es die Enk'lin erbt. 

 

 

 

 

Greizer Stoffe waren ein begehrter Artikel. Ihre Erzeugnisse, hochmodische Gewebe für Damen- und Herrenoberbekleidung, wurden in fast alle Länder der Welt exportiert.

In der Zeit der beiden Weltkriege musste ein großer Teil der Textilbetriebe auf Kriegsproduktion umgestellt werden. Der bis dahin blühende Export brach ab und viele Auslandsverbindungen gingen verloren. Die Produktion für den zivilen Bereich war stark rückläufig, die Verteilung der Textilerzeugnisse wurde durch Kleiderkarten geregelt.

Das Gebäude des Textilforschungsinstituts Thüringen-Vogtland e. V. in der Zeulenrodaer Straße, vorher Wissenschaftlich Technisches Zentrum der VVB Wolle und Seide und ehemals Teil der Weberei Eduard Brösel

Nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 musste die gesamte Industrie neu strukturiert werden. Das geschah unter neuen Bedingungen, indem 1946 in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands zahlreiche größere Unternehmen sequestriert, später enteignet und in Volkseigentum überführt wurden, woraus sich der sozialistische Sektor der Volkswirtschaft in der DDR entwickelte. Der 1949/50 etablierte Volkswirtschaftsrat (VWR) bildete Hauptverwaltungen (HVW) für Spinnerei/Weberei und Veredlung. Mitte 1954 erfolgte die Umbenennung der Hauptverwaltungen in Vereinigungen Volkseigener Betriebe (VVB) wie Volltuch, Kunstleder/Pelze, Wolle und Seide etc. 1959 errichteten alle textilen VVB Forschungseinrichtungen, die Wissenschaftlich Technischen Zentren (WTZ). Die VVB Wolle und Seide bildete diese Dienstleistungseinrichtung am Textilstandort Greiz.

Aus den volkseigenen Betrieben Greika, Novotex, Textilia und Textilveredlung wurde 1970 der VEB Greika - Weberei und Veredlung - Greiz. Dieser Großbetrieb hatte 7 Werke (6 Webereien, 1 Veredlungsbetrieb) mit 21 Produktionsabschnitten. Die Betriebsteile befanden sich an acht verschiedenen Standorten. Neben Greiz gehörten noch Berga (Elster), Creuzburg bei Eisenach, Langenwetzendorf, Mohlsdorf, Pausa, Plauen und Weida dazu. Der Betrieb produzierte weiter Gewebe für Damenoberbekleidung (Kammgarn/Seide) und Herrenoberbekleidung (Kammgarn) sowie technische und sonstige Gewebe (Fallschirm- und Tarndruckgewebe). Strukturbestimmend und ein Aushängeschild des Betriebes waren Kammgarngewebe aus Polyester/Wolle im Verhältnis 55/45.

Die Produktion von ca. 40 - 50 Millionen Quadratmeter Gewebe pro Jahr wurde von fast 5.700 Beschäftigten (incl. Verwaltung) realisiert, von denen 65 - 70 % Frauen waren. Die Produktionsabteilungen arbeiteten zumeist im Dreischichtsystem, z. T. auch in rollender Woche. Bis 1989 ging die Zahl der Beschäftigten infolge von Rationalisierungsmaßnahmen auf 4.500 zurück. Die Fertigware wurde überwiegend an Konfektionsbetriebe und den Handel sowie für den Export in sozialistische und kapitalistische Wirtschaftsgebiete geliefert.

Zum Betrieb gehörten weiter ein Bauhof mit den verschiedensten Gewerken und ein Rationalisierungsmittelbau mit jeweils annähernd 70 Beschäftigten. Es gab ca. 150 Ausnähstützpunkte (Ausbesserung von Fehlern im Rohgewebe), eine Betriebsschule zur Ausbildung der Lehrlinge und Weiterbildung der Werktätigen sowie ein Polytechnisches Zentrum für Schüler.

Auch der soziale Aspekt spielte in volkseigenen Betrieben eine wichtige Rolle. So wurden beispielsweise in fast allen Produktionsabschnitten Sanitätsstellen eingerichtet, in denen auch Betriebsärzte ihre Sprechstunden hielten. Es gab betriebseigene Kindergärten, Ferienheime und Kinderferienlager. Dem spärlichen Wohnungsangebot wurde durch Gründung der Wohnungsgenossenschaft Textil begegnet. Die Betriebsangehörigen erhielten die Möglichkeit, in sogenannten Resterstuben verbilligt Greikagewebe einzukaufen.

1972 erfolgte der staatlich verordnete Aufkauf der Klein- und mittelständischen Betriebe, die den jeweiligen Betrieben bzw. Kombinaten zugeordnet wurden.

Mit der gesellschaftlichen Wende 1990 kam die Rezession der Textilbranche zunächst in den neuen, später auch in den alten Bundesländern. Alle textilen Einrichtungen der Stadt und des Landkreises Greiz mussten sich den neuen Erfordernissen anpassen.

Die Greika Thüringer Weberei- und Veredlungs-GmbH Greiz (ehemals VEB Greika) hat nach anfänglichen Sortimentsbereinigungen und Neugliederung der Werke auf überschaubare und rentable Größen versucht, ein Fortbestehen des Unternehmens zu sichern. Im Jahre 1996 musste aber wegen unüberbrückbarer äußerer Einflüsse die Produktion eingestellt werden. Alle Arbeitnehmer wurden entlassen und beim Amtsgericht Gera Konkursantrag gestellt. Die Konkurseröffnung erfolgte am 1. April 1997. Auf Grund der Gesamtvollstreckung wurde die Greika Thüringer Weberei- und Veredlungs-GmbH Greiz in Greika GmbH i.GV; gewandelt.

Aus dem ehemaligen WTZ Wolle und Seide (zum Zeitpunkt der Wende Direktionsbereich Forschung des VEB Kombinat Wolle und Seide, später VEB Forschung und Entwicklung, zuletzt Textil-Service GmbH Greiz) sowie dem WTZ des Kombinates Baumwolle (zuletzt Textil-Forschung Plauen GmbH) wurde nach einer sehr umfangreich durchgeführten Evaluierung das Textilforschungsinstitut Thüringen-Vogtland e.V. (TITV e.V.) am 18. Februar 1992 in Greiz gegründet. Es ist das erste Institut seiner Art in der Geschichte der Stadt Greiz.

Die fachlichen Inhalte und das Leistungsvermögen dieser mittlerweile weltweit anerkannten Einrichtung sind unter der Internetadresse www.titv-greiz.de abrufbar.

Die Geschichte der Greizer Textilindustrie ist in der im Jahre 1998 eröffneten Textilschauwerkstatt der Stadt Greiz im Unteren Schloss durch entsprechende Maschinentechnik dokumentiert und seither ein Publikumsmagnet für in- und ausländische Interessenten. Alle Maschinen können nach Voranmeldung in Funktion besichtigt werden. Ein Besuch ist empfehlenswert. Weitere Informationen sind unter www.greiz.de zu erhalten.

 

 

Die Greizer Textilindustrie und ihre Berufsausbildung

Vormals die Firma Arnold in der Plauenschen Straße, dann das Lehrkombinat später die BBS bzw. BS "Junge Garde", heute Staatliche Berufsbildende Schule II (SBBS)

Wolfgang Ritter

 

Die Textilindustrie war über viele Jahrzehnte der bestimmende Industriezweig im Territorium und prägte die Stadt Greiz in ihrer Entwicklung bis Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts.

 

 

 

 


Die Ausbildung des Berufsnachwuchses lag anfangs für nahezu alle Berufszweige des Handwerks in den Händen der Zünfte bzw. Innungen, so auch bei den Webern. Am wichtigsten war dabei das praktische Können zur Herstellung von Zeug auf Handwebstühlen. In den Greizer Innungsgesetzen von 1849 ist nachzulesen, dass alle Lehrlinge verpflichtet waren, regelmäßig die Sonntagsschule zu besuchen.

Noch vor Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs parallel zur Mechanisierung auch die Differenziertheit der Tätigkeiten unter den in der Textilindustrie Beschäftigten. So gab es neben dem Weberberuf noch die Bäumer, Leimer, Färber, Appreteure, Levierer, Anschneller, Mustermacher und Kontoristen.

Mit der sich ständig weiterentwickelnden Technik in allen Bereichen wurde in Unternehmerkreisen der Ruf nach qualifizierten Arbeitskräften immer lauter. Die 1879 gegründete Webschule erhielt 1905 die Bezeichnung Höhere Webschule. Sie bekam 1911 einen Neubau in der Idastraße 38, vorher in der Idastraße 29 (August-Bebel-Straße). Beide Gebäude existieren noch heute. Von 1948 bis 1951 wurden hier Techniker und Ingenieure für die Textilindustrie ausgebildet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand die Handwerker-Fortbildungsschule in Verwaltung der Stadt Greiz, ein Vorläufer der Berufsschule. Der Schulbesuch war Pflicht, die Ausbildung endete mit einer Lehrabschlussprüfung. In der Folgezeit richteten etliche Betriebe Lehrwerkstätten ein.

Nach Kriegsende 1945 nahm der größte Teil der Greizer Textilbetriebe, sie waren relativ unbeschadet durch den Krieg gekommen, die Produktion wieder auf.

Parallel mit der Entwicklung der Textilindustrie wurde darauf geachtet, eine funktionierende Berufsausbildung zu haben. Es sollten Facharbeiter in genügender Zahl zur Verfügung stehen, die eine gute fachliche Ausbildung absolviert hatten und in der Lage waren, an der Maschine oder im Büro als Arbeitskraft eine vollwertige Tätigkeit aufzunehmen.

1945 gab es in Greiz drei Berufsschulen: Die Gewerbliche Berufsschule in der Mittelstraße 3 (heute Gotthold-Roth-Straße und Sitz einer Grundschule), die Kaufmännische Berufsschule in der Wiesenstraße 3 (heute SBBS I), die Mädchenberufsschule am Hainberg 1 (heute Volkshochschule).

Die Gewerbliche Berufsschule war die größte dieser Einrichtungen, zumal ihr noch sechs Außenstellen angeschlossen waren. In dieser Schule hatten auch schon vor dem Krieg Lehrlinge von Textilbetrieben ihren Berufsschulunterricht erhalten.

Die praktische Berufsausbildung erfolgte anfangs in den Produktionsbetrieben. Nur in den Webereien Hermann Dietel in Greiz und Friedrich Arnold in Langenwetzendorf wurden die bereits vor dem Krieg existierenden betriebseigenen Textillehrwerkstätten weitergeführt. Außerdem bestand eine Gemeinschaftslehrwerkstatt im Gebäudekomplex August-Bebel-Straße 38 (ab 1948 Ingenieurschule für Textilindustrie). Sie war 1941 auf Anraten Greizer Textilfabrikanten gegründet worden. Hier erhielten bis 1949 im Jahresdurchschnitt ca. 150 Weberlehrlinge ihre Ausbildung.

1948/49 entstanden weitere sechs Lehrwerkstätten in Greizer, Bergaer und Teichwolframsdorfer Betrieben.

1949 wurde die Betriebsberufsschule (BBS) Textil gebildet. Ihren Sitz hatte sie in der Hirschmühle in Aubachtal, der früheren Sommervilla des Fabrikanten Georg Schleber. 11 Lehrer unterrichteten 650 Berufsschüler. Die Lehrkräfte waren häufig regelrechte Wanderlehrer, denn um den Unterricht zu erteilen, mussten sie von Betrieb zu Betrieb wandern.

1951 wurde die Gemeinschaftslehrwerkstatt der volkseigenen Betriebe Record, Elsterperle und Herrenstoffweberei in der Plauenschen Straße eingerichtet und damit die Grundlage für ein Ausbildungszentrum aller Greizer Textilbetriebe geschaffen.

Nun war es soweit, dass die Schulleitung der BBS Textil in den Gebäudekomplex des ehemaligen Geschäftshauses der Wollen- und Seidenweberei Biene; in der Plauenschen Straße umziehen und zunächst zwei provisorisch eingerichtete Klassenzimmer nutzen konnte. Im gleichen Jahr erfolgte der Umbau der zweiten Etage zu fünf Klassenräumen und einem Lehrerzimmer, so dass ab September 1952 recht gute Bedingungen zur Unterrichtsdurchführung bestanden. Im gleichen Zeitraum füllte sich das Erdgeschoss mit Web-, Spul- und Schärmaschinen sowie Reihböcken, um die praktische Ausbildung durchführen zu können.

Die letzte Webmaschine der BS "Junge Garde", die seit 2004 ihren Platz in der Textilschauwerkstatt des Unteren Schlosses hat und auf der weiter das Greizer Schlossbild gewebt wird

Auf Grund der starken wirtschaftlichen Entwicklung, die im Raum Greiz - Elsterberg - Reichenbach besonders in der Textilindustrie deutlich wurde, und bedingt durch die hohe Zahl von Grundschulabgängern ergab sich die Notwendigkeit, die vorhandenen Strukturen in der Berufsausbildung ökonomischer und einheitlicher zu gestalten. Auf Weisung des Ministeriums für Leichtindustrie erfolgte die Auflösung der in Greiz und Elsterberg bestehenden Lehrwerkstätten sowie der BBS Textil.

 

 

 

 

 

 


Am 1. September 1952 entstand dafür ein einheitliches Lehrkombinat. Als Standort für diese Einrichtung wurde das Gelände der früheren Textilfabrik Arnold in der Plauenschen Straße 2 a zur Verfügung gestellt. Da dieser Komplex damals zum Betrieb Textilwerk Biene in Langenwetzendorf gehörte, trug das Lehrkombinat den Namen Biene ab 1953 Junge Garde.

Dieser Komplex bot genügend Platz für alle erforderlichen Maschinenarten, für Unterrichtsräume, für die Verwaltung und für technische Kräfte. Die im Kombinatsgelände gelegene Villa war bestens für ein Lehrlingswohnheim geeignet. Somit waren alle Voraussetzungen für eine wesentliche Erhöhung der Effektivität und Qualität der beruflichen Ausbildung gegeben.

Die praktische Ausbildung der Weberei-Lehrlinge erfolgte unter Verantwortlichkeit des Werkdirektors des VEB Greika, ab 1953 des VEB Textilia. Die Veredler-Lehrlinge erhielten ihre praktische Ausbildung im VEB Textilveredlungswerk und waren dem dortigen Werkdirektor unterstellt. Berufsschule und Lehrlingswohnheim wurden vom Rat des Kreises angeleitet und finanziert.

Ab 1955 kamen auch die Lehrlinge aus den Textilbetrieben Neumark, Netzschkau und Reichenbach/Vogtl. zur Ausbildung ins Lehrkombinat und 1956 die Lehrlinge aus Berga und Langenwetzendorf. Zugleich wurden die Lehrwerkstätten in den dortigen Betrieben aufgelöst.

Die Zeit war reif, komplexere Ausbildungseinheiten zu schaffen. Am 1. Januar 1957 erfolgte die Umwandlung des Lehrkombinates in die BBS Junge Garde mit den Abteilungen Berufsschule, Lehrwerkstatt, Außenstelle Textilveredlung, Lehrlingswohnheim (bis 202 Plätze), außerunterrichtliche Arbeit sowie Wirtschaft und Verwaltung. Zur Schule gehörte auch eine Turnhalle in Rothenthal. Die Betriebsberufsschule stand nun unter der Leitung eines Direktors.

Auf Grund des hohen Niveaus der Ausbildung gehörte die Schule zu den ersten in der DDR, welche die Aufgabe bekamen, den neuen Bildungsweg Berufsausbildung mit Abitur aufzubauen. Am 1. September 1960 begann eine Klasse diese Ausbildung in den Spezialisierungsrichtungen Weberei und Textilveredlung (später noch Spinnerei). Diese neue Ausbildungsform führte in der Folgezeit zur wesentlichen Erhöhung des Ausbildungsniveaus der Schule sowie deren Bedeutung innerhalb des Kombinats Wolle und Seide Meerane, des Territoriums und bei der Gewinnung von Bewerbern für ein nachfolgendes Studium. Damit konnte in starkem Maße der Bedarf an Fach- und Hochschulabsolventen für die Einstellungsbetriebe realisiert werden.

Aus den inzwischen gewachsenen Anforderungen der Volkswirtschaft an die Berufsbildung ergab sich ein weiterer Schritt zur Profilierung der Ausbildungsstätte, indem am 1. Januar 1965 die Betriebsberufsschule in die Betriebsschule (BS) Junge Garde umgewandelt wurde. Die wesentlichen Veränderungen bestanden darin, dass zu den bisherigen Bereichen der Polytechnische Unterricht der Schüler der Polytechnischen Oberschulen (ab 1973 eigenständiges Polytechnisches Zentrum) und die Aus- und Weiterbildung der Werktätigen hinzu kamen.

Von 1952 bis 1990 wurden 14.778 Lehrlinge ausgebildet.

Seit 1990 wird die BS Junge Garde als Staatliche Berufsbildende Schule II weitergeführt. In den Schulteilen Berufliches Gymnasium, Fachoberschule, Höhere Berufsfachschule, Berufsfachschule und Berufsschule wird u. a. der Nachwuchs für medizinisch-soziale, gewerblich-technische und hauswirtschaftliche Berufe ausgebildet.

Wer mehr wissen möchte, kann im Sekretariat der Schule eine Broschüre erwerben, die zum 50-jährigen Bestehen 2002 herausgegeben wurde.

 

 

Zeittafel zur Greizer Textilgeschichte

Die Firma Grosse, Textilmaschinenbau, in der Brunnengasse

Gerhard Strauß 

 

1450 
Erste Tuchmacherzünfte in Greiz und Nachbarorten Gera, Weida, Schleiz und Plauen 

1464 
Zunftrechte für Schönfärber verliehen 

1487 
Urkundliche Erwähnung des Leineweberhandwerks im Fürstentum Reuß 

1556 
Stadt Greiz besteht aus 100 Häusern 

1570 
Holländische Emigranten, Wollzeugweber, siedeln sich in Reußischen Gebieten an 

1609 
Gewerbe der "Zeugwirker", hausgewerbliche Lohnarbeiter, entsteht. Bereitstellung der Waren nach den Wünschen der Händler (Verleger), die von diesen veredelt, verpackt und verkauft werden 

1623 
Leinewebern wird Privileg erteilt, "Leinwand ganz" oder "halb wollenes Zeug" zu fertigen und Meistern das Recht zugestanden, Garn selbst einzukaufen. Innungsbrief mit 22 Artikeln wird "confirmiert" und 1657 vom Landesfürst bestätigt und erweitert 

1660 
Herrschaft Reuß erteilt Gubener Tuchmachern die Gewerbeerlaubnis 

1727 
Älteste Urkunde über das Färben von Garnen und Stücken, Entstehung der Schönfärberei 

1756 
Zeugmacher- und Leineweberhandwerk gerät durch Teuerung und Mangel an Aufträgen in Not 

1770 
Vergrößerung des Weberhandwerks, Standorte in Greiz sind: Leineweber in der Silberstraße, Rosengasse (Mollbergstraße), Klatzsch (Webergasse); Zeugmacher in der Parkgasse; Tuchscherer und Wollkämmer in der Parkgasse; Färber in der Brückengasse, Parkgasse; Handelsleute in der Teichgasse, am Markt, Topfmarkt (Puschkinplatz) 

1779 
Meßhändler erhalten Privileg, Zeughandel auf Messen und Märkten zu betreiben 

1790 
Druckerhandwerk zur Veredlung von Webwaren wird eingeführt. Firmen sind u. a. Hoffmann & Benndorf, V. Golle 

1804 
Notschrift der Stadt an Heinrich den XIII. Nach Brand von 1802 wird Geld zum Wiederaufbau benötigt. Innungen sollen Extrabeiträge zahlen 

1805 
Erfindung der Jacquardmaschine durch J.M. Jacquard hat große Bedeutung für den Greizer Textilmaschinenbau 

1811 
Kaufmann Serno errichtet am Quirlbach, Gommlaer Berg, eine mechanische Spinnerei, durch Kaufmann Beck erweitert und als Kammgarnspinnerei betrieben 

1824 
Gründung der Weberei Eduard Brösel, weitere Handelshäuser und Fabriken folgen: 1837 Friedrich Arnold in Greiz, 1840 Müller & Kramer (zeitweilig auch Müller & Schütz), 1843 Gebrüder Oehler, 1847 Weber & Feustel und Georg Schleber (Färberei/Veredlung), 1860 Gebrüder Albert, 1872 Hermann Dietel, 1876 Schwarz & Sohn (zeitweilig auch Otto Ohlwein), 1882 C. G. Jahn (Färberei/Veredlung), 1886 Friedrich Arnold in Langenwetzendorf, 1888 Zirnite & Kolbig, 1921 Hugo Frank 

1826 
Neues Innungsgesetz enthält Artikel zum Erwerb des Meisterrechts, Verhalten der Gesellen, Umgang mit Innungsgeldern, Pflichten der Lehrlinge und Strafmaßnahmen 

1836 
Versuch des Mechanikers Schönherr aus Schneeberg/Erzgebirge, Bau eines mechanischen Webstuhls, entfacht in Greiz einen Sturm der Entrüstung ansässiger Handwerker 

1848 
Konzession zum Wollhandel für jüdische Kauf- und Handelsleute Samuel Schwarz und Ephraim Schulhof 

1851 
Kämpfe des Weberhandwerkes um seine Existenz, Übergang vom Handwerk zum Betrieb, man spricht nun vom Fabrikarbeiter 

1853 
Einsatz von Dampfmaschinen zur Kraftübertragung, weitere Neuerungen: 1858 Gasaufbereitungsanlage für Leuchtgas, 1876 Telefonwahldienst, 1881 Einführung der elektrischen Beleuchtung, 1904 Lastkraftwagen übernehmen Transport 

1862 
Firma Löffler stellt vier mechanische Webstühle (Webmaschinen) englischer Bauart auf 

1867 
Proteste der Handweber gegen die Einführung weiterer mechanischer Webstühle. Am 31. Mai marschieren Weber zum Oberen Schloss 

1868 
Weber & Feustel baut mechanische Weberei mit etwa 200 Webstühlen 

1869 
Gründung der Textilmaschinenfabrik Otto Spaleck, hinzu kommen 1878 die Firma Hermann Grosse und 1892 die Firma Oscar Schleicher 

1870 
Greiz liefert Tuche für Heeresbestände. Neue Fabriken entstehen. Lehrlingsausbildung im Weberberuf wird Pflicht, ebenso Besuch der Fortbildungsschule 

1879 
Gründung einer Webschule. Sie wird vom "Webschulverein Greiz e.V." geleitet, welcher sich im gleichen Jahr bildete. Der Unterricht beginnt in gemieteten Räumen. 1889 entsteht das Webschulgebäude in der Idastraße 29. Die Landesregierung verleiht 1905 die Bezeichnung "Höhere Webschule". 1911 erfolgt der Neubau in der Idastraße 38 (August-Bebel-Straße), der 1912 seiner Bestimmung übergeben wird. Von 1948 bis 1951 befindet sich hier die Ingenieurschule für Textilindustrie. Die kapitalistische Produktionsweise in der Textilindustrie hat sich durchgesetzt. Greizer Webereien sind im ostthüringisch-westsächsischen Raum führend 1886 Greiz hat 50 Webereien, 3 Färbereien, 6 Wolldruckereien und 3 Spinnereien, beschäftigt werden ca. 5.550 Personen. Die größten Webereien sind Weber & Feustel, Schilbach u. Heine, Schilbach & Co, Friedrich Arnold und Färberei/Veredlung Georg Schleber. Die Stadt zählt ca. 17.500 Einwohner 

1889 
Streikbewegung in fast allen Greizer Textilbetrieben, vier Wochen währt die Arbeitsniederlegung um höhere Löhne 

1892 
Krise in der Textil- und Zulieferindustrie durch das Inkrafttreten der "UC. Kinley-Bill" in den USA (drastische Erhöhung der Einfuhrzölle) 

1893 
Stiftungen der Familie Friedrich Arnold zur Errichtung des Altersheimes Ernst-und-Lina-Arnold-Stift und für Stipendien zur Förderung begabter Schüler in Greiz, 1894 zum Bau der Ernst-Arnold-Schule in Langenwetzendorf, 1898 zum Bau des Kinderheimes in der Greizer Goethestraße 

1902 
Unter Greizer Fabrikanten gibt es 11 Millionäre 

1904 
Arbeitgeberverband "Sächsisch-Thüringische Webereien" mit Sitz in Greiz gegründet. Vorsitzender ist Kommerzienrat Emil Nusch, Greiz. Es soll Einfluss auf Löhne, Arbeitsbedingungen und Preise genommen werden 

1906 
Generalversammlung der Weberinnung in Greiz. Für jeweils 50 Webstühle ist jährlich ein Lehrling auszubilden, Lehrzeit sechs Wochen 

1907 
Sächsisch-thüringische Webereien verfügen über etwa 38.500 mechanische Webstühle und 1.600 Handwebstühle, beschäftigt sind 32.000 Personen in Fabriken und 6.000 im Hausgewerbe 

1914 
Straßenbenennungen nach Greizer Fabrikanten: Friedrich-Arnold-Straße (Plauensche Straße), Ernst-Arnold-Platz (Puschkinplatz), Georg-Schleber-Straße (Friedrich-Ebert-Straße), Georg-Brösel-Straße (Birkenacker), Felix-Günther-Straße (Mitschurinweg), Oskar-Schleicher-Straße (Genossenschaftsstraße) 

1917 
36.000 mechanische Webstühle im Bereich des Sächsisch-Thüringischen Webereiverbandes, davon sind nur 2.000 in Betrieb. Fast überall werden Papiergewebe hergestellt 

1918 
Novemberrevolution auch in Greiz. 1920 geht der Volksstaat Reuß im Freistaat Thüringen auf (1919 aus den Fürstentümern Reuß älterer und jüngerer Linie gegründet) 

1929 
Weltwirtschaftskrise (bis 1932) trifft die Greizer Textilbetriebe: Sinkende Gewebepreise, Absatzschwierigkeiten, Konkursverfahren, Stilllegungen und Arbeitslosigkeit 

1933 
Mit Machtantritt Hitlers wird die Wirtschaft nationalsozialistischen Zielen untergeordnet. Die Folge, zunehmende Einbeziehung der Textilbetriebe in die Rüstungsproduktion 

1939 
Beginn des Zweiten Weltkrieges 

1941 
Gemeinschaftslehrwerkstatt im Gebäude der Höheren Webschule eingerichtet, die bis 1949 den Berufsnachwuchs ausbildet. Kriegsgefangene und "Fremdarbeiter" kommen ab September als Ersatz für Kriegsdienstleistende in die Textilbetriebe 

1945 
Greizer Betriebe stellen am 14. April die Produktion ein. Amerikanische Truppenverbände besetzen am 17. April das Stadtgebiet. 8. Mai Kriegsende - das faschistische Deutschland kapituliert bedingungslos. In Fabriken wird die Kriegsproduktion verboten und die Herstellung von zivilen Gütern erlaubt. Sowjetische Truppen marschieren am 1. Juli in Greiz ein. Befehle mit weitreichenden politischen und wirtschaftlichen Veränderungen werden erlassen, z. B. zur beschleunigten Entwicklung der Industrie und zur Herstellung von Gebrauchsgütern. Das Vermögen der Nazis und Kriegsverbrecher wird sequestriert und später in Landeseigentum überführt. Greiz hat im November 50.878 Einwohner, mitgerechnet Flüchtlinge und Umsiedler 

1946 
Volksentscheid in Sachsen am 30. Juni, in der Folgezeit entstehen volkseigene Betriebe. Greizer Textilunternehmen erhalten neue Namen (Markenzeichen) das betrifft z. B. VEB Woll- und Seidenweberei "Biene", vormals Friedrich Arnold; VEB Textilwerk "Gemse", vormals Eduard Brösel; 1948 folgen VEB "Novotex", vormals Hermann Dietel; VEB Kammgarnweberei "Elsterperle", vormals Hugo Frank; VEB Textilwerk "Record" vormals Müller & Kramer; VEB "Textilia", vormals Gebrüder Oehler 

1947 
10.000 Beschäftigte in Greizer Textilbetrieben. Über Handelsfirmen, wie DHT (Deutsche Handelsgesellschaft Textilwaren) und später die russische "RASNO- Importgesellschaft", werden große Mengen an Baumwolle aus Usbekistan und grobe Wollen "Somolana" (sowjetisch-mongolische Wolle) eingeführt 

1949 
Gründung der Betriebsberufsschule Textil. Der Unterricht wird in den Betrieben durchgeführt. Die Ausbildung des Facharbeiternachwuchses erfolgt in einer zweijährigen Lehrzeit 1950 Beginn des Exports von Textilerzeugnissen. Bereits 1963 werden die Produkte in 43 Länder geliefert. Einführung der strukturbestimmenden Kammgarngewebe aus Polyester/Wolle im Verhältnis 55/45 für Oberbekleidung 

1952 
Auflösung der Lehrwerkstätten und der Berufsschule Textil, Bildung eines Lehrkombinates im Geschäftshaus der ehemaligen Textilfirma Arnold in Greiz-Tannendorf. 1953 erhält es den Namen "Junge Garde" 

1953 
Betriebszusammenschlüsse, es entstehen vier Großbetriebe im Raum Greiz: VEB Greika, VEB Novotex, VEB Textilia und VEB Textilveredlungswerk. Diese Betriebe gehören zur VVB Wolle und Seide Meerane 

1956 
Erste Ausgabe der Betriebszeitung "Unsere Meinung" am 30. Oktober, ab 9. April 1965 als "Textilzeitung". Die Automatisierung hält in den Webereien Einzug, der Weg zur erhöhten Mehrmaschinenbedienung ist frei 

1957 
Greizer volkseigene Betriebe spezialisieren sich bei der Herstellung modischer Oberbekleidung: Novotex für Seidengewebe, Textilia für leichte bis mittelschwere und Greika für mittelschwere Kammgarngewebe 

1959 
Gründung des Wissenschaftlich Technischen Zentrums (WTZ) Weberei und Veredlung Greiz der VVB Wolle und Seide. Zeitgleich entsteht im VEB Modedruck Gera ein WTZ Spinnerei. Später erfolgt die Zusammenlegung beider WTZ mit Standort Greiz 1963 Anteil der Textilproduktion an der Greizer Wirtschaft beträgt 57,1 %, es sind 56,4 % der Werktätigen in diesem Industriezweig beschäftigt 1965 Betriebsschule "Junge Garde" entsteht. Sie ist am 1. Januar aus der Betriebsberufsschule (1957), vorher Lehrkombinat (1952), hervorgegangen 

1970 
Gründung des VEB Greika - Weberei und Veredlung - Greiz am 1. April. In 7 Werken und 21 Produktionsabschnitten dieses Großbetriebes arbeiten 5.700 Werktätige, sie produzieren Damen- (Kammgarn/Seide) und Herrenoberbekleidung (Kammgarn) sowie andere Gewebe. Nach Rationalisierungsmaßnahmen beschäftigt der Betrieb später bei etwa gleicher Produktion ca. 4.500 Arbeitnehmer 1989 Beginn der gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR 

1990 
Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober. Die Greika muss sich auf die Marktwirtschaft umstellen. Konzeptionen zielen auf Erhalt des Greikaunternehmens mit 1.100 Arbeitsplätzen und einem Jahresumsatz von 185 Millionen Mark. Am 15. Mai Anmeldung des Betriebes zur Greika GmbH und Bestellung eines Geschäftsführers. Der Betrieb beschäftigt noch 3.885 Personen. Im August setzt der Verkauf von Greika-Immobilien ein. Die BS "Junge Garde" wird ab 1. September vom Landratsamt als Staatliche Berufsbildende Schule II weiter geführt und am 1. Dezember endgültig übernommen 

1992 
Gründung des Textilforschungsinstituts Thüringen-Vogtland e.V. am 18. Februar in Greiz. Im Mai Verkauf der Greika GmbH zu 50 % an indische Gesellschafter (50 % gehören der Treuhandgesellschaft Berlin) - der Niedergang des Unternehmens ist auch damit nicht aufzuhalten 

1996 
Greika beendet im Dezember die Produktion, alle Arbeitnehmer erhalten Kündigungsbriefe 

1997 
Greika Thüringer Weberei- und Veredlungs-GmbH stellt beim Amtsgericht Gera Konkursantrag, die Eröffnung des Verfahrens zur Gesamtvollstreckung erfolgt am 1. April 

2000 
Greika-Immobilien werden ab März anderweitig genutzt, umgebaut oder abgerissen. Wo nichts dergleichen geschieht, sind sie als Industriebrachen dem Verfall preisgegeben. Später erfolgen weitere Abrisse, dazu gehören u. a. Greika II/1 (Gebrüder Berglas, Papiermühlenweg), Greika II/2 (Müller & Kramer, Rosa-Luxemburg-Straße), Greika II/3 (Gebrüder Oehler, Plauensche Straße), Greika (V/2 Gensch & Pertzel neben der Eissporthalle) sowie das Heizwerk Greika VI/1 (Georg Schleber, Adelheidstraße)