Aktuelles von den Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz

Prunk und Pracht – Ausdruck der Macht?


Fürstliche Hofhaltung in der Residenz Greiz

Die Residenzarchitektur des 17. und 18. Jahrhunderts ist der sichtbare Ausdruck des fürstlichen Machtanspruches. Vom ausgehenden 17. bis 19. Jahrhundert bildeten die deutschen Fürstenhöfe die Zentren der Landesentwicklung, welche sich auch durch die Förderung von Kunst und Kultur abbilden lassen.

In dieser Zeit entstanden in den fürstlichen Residenzen eine Vielzahl von neuen Residenzschlössern, Lust- und Jagdschlössern, Eremitagen, fantasievollen Wasserspielen, kunstvollen Gartenanlagen, Orangerien, Fürstliche Galerien, Fürstliche Raritätenkabinette und Wunderkammern mit hervorragenden Sammlungen sowie umfangreichen Bibliotheken. 

Architektur als Spiegelbild des landesherrlichen Selbstverständnisses - andere Regenten, Diplomaten und nicht zuletzt auch das einfache Volk sollten auch mit repräsentativen, höfischen Zeremonien und aufwändiger Hofhaltung, mit prachtvollen Inszenierungen auf Opernbühnen, mit figurenreichen Gemälden oder mit imposanten Parkanlagen von der göttlichen Legitimation der Macht überzeugt werden.

In Greiz ist dies noch heute erlebbar!

Greiz wird von der Residenzarchitektur des 18. und 19. Jahrhunderts geprägt und lädt Gäste sowie Einheimische auf einen einzigartigen bauhistorischen Rundgang ein. Das Obere Schloss, das Sommerpalais und das Untere Schloss gewähren durch ihre bauhistorische Substanz wunderbare Einblicke in die Architektur sowie die Innenarchitektur des 18./19. Jahrhunderts.

Graf Heinrich XI. zu Obergreiz prägte nach seinem Regierungsantritt 1748 durch seine Bautätigkeit Greiz nachhaltig. Sein Residenzschloss - das Obere Schloss - wurde umgestaltet und erweitert. Im Zuge dieser Barockisierung entstanden das Torhaus, ein Kanzleigebäude, auf der unteren Schanze ein Lustgarten mit Pavillon, der Turmgarten, die Orangerie, das Reithaus mit Reitbahn. Das Obere Schloss wurde den repräsentativen Erfordernissen einer fürstlichen Hofhaltung angepasst. Dazu gehörten natürlich private Gemächer, repräsentative Säle, Schlosskirche und Wirtschaftsgebäude.

Das Schlossensemble wurde vermutlich 1768/69 um das in einem barocken Lustgarten gelegene Sommerpalais erweitert. Dieses Lustschloss ist ein Beispiel des Frühklassizismus in Mitteldeutschland.

1778 erfolgte die angestrebte Erhebung Heinrich XI. in den erblichen Reichsfürstenstand. Fürst Heinrich XI. Reuss Aelterer Linie lag die Förderung der Wissenschaft und Künste am Herzen. Im barocken Lustgarten, dem heutigen Fürstlichen Park, ließ er eine Rotunde für die Fürstliche Sammlung japanischer Porzellane errichten. Die umfangreichen Erweiterungen der herrschaftlichen Bibliothek und Kunstsammlung sind ihm ebenso zu verdanken.

1802 vernichtete ein Stadtbrand das Untere Schloss. Fürst Heinrich XIII. Reuss Aelterer Linie, der Sohn von Fürst Heinrich XI., ließ es als sein Residenzschloss wieder aufbauen. 1809 war das neue Residenzschloss für die fürstliche Familie und die Hofhaltung bezugsfertig. Das Obere Schloss wurde Sitz der Landesregierung. 1884/85 wurde das Untere Schloss um einen Südflügel sowie einen Wintergarten erweitert und innenarchitektonisch überformt. Dies entspricht weitgehend dem heutigen Bestand.

Im 19. Jahrhundert lagen die prunkvollen und verschwenderischen Lustbarkeiten der Barockzeit weit zurück. Spätestens nach der Revolution von 1848 änderten sich die Hofzeremonien und die Hofhaltung an den deutschen Fürstenhöfen zunehmend. Ausgehend von den Reformen des kaiserlichen Hofes in Wien gestaltete sich die Hofhaltung im 19. Jahrhundert vergleichsweise bescheidener - bürgerliche Einflüsse werden immer deutlicher erkennbar. Die staatstragenden Hofzeremonien beschränkten sich im 19. Jahrhundert am fürstlichen Hof zu Greiz zunehmend auf Inthronisationen, Staatsempfänge, Eröffnungen des Landtages, Dienstjubiläen des Fürsten sowie Geburten, Taufen, Vermählungen und Beisetzungen im Fürstenhause. 

Die neue Sonderausstellung im Museum im Unteren Schloss Greiz thematisiert diese Anlässe am Fürstlichen Hof im ausgehenden 19. Jahrhundert, visualisiert die Hofhaltung mit den verschiedenen funktionalen Bereichen der Residenz, richtet den Blick auch auf die Protagonisten des fürstlichen Glanzes - auf das fast vergessene Dienstpersonal und stellt ganz bewusst die Frage: 

Prunk und Pracht? 

War die Hofhaltung im ausgehenden 19. Jahrhundert wirklich so prachtvoll, wie es oftmals unserer märchenhaften Phantasie entspringt?

Auch in der Fürstlichen Residenz zu Greiz waren natürlich alle Festlichkeiten durch Kleider- und Tischordnungen geregelt, um den Beteiligten eventuelle Peinlichkeiten zu ersparen. Für jeden einzelnen Anlass wurde genau festgelegt und veröffentlicht, wer wann erscheinen durfte oder zu erscheinen hatte, welche Tätigkeiten und Dienste zu übernehmen waren, wie die Rangordnungen im Sitzen, Stehen oder Gehen waren, welche Uniformen, Kleider oder sonstige Garderobe getragen werden musste, ob Schmuck angelegt werden durfte und wie der genaue Handlungsablauf zu erfolgen hatte. Das Ziel jeglichen Zeremoniells besteht bis heute in dem Bestreben, einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. 

Am Fürstlichen Hof zu Greiz war in der Zeit von 1887 bis 1920 Exzellenz Alfred Freiherr Titz von Titzenhofer in seiner Funktion als Fürstlich Reussischer Hofmarschall (ab 1911 Oberhofmarschall) im Wesentlichen für die Aufstellung und Festlegung des Zeremoniells sowie für die Hofhaltung des Fürsten verantwortlich. Ein Bestandteil der Hofhaltung war natürlich, neben der Organisation des alltäglichen Lebens oder besonderer Anlässe, auch die Fürstliche Küche, denn das Speisen war seit jeher ein zentraler Aspekt menschlichem Wohlbefindens sowie repräsentativer Anlässe. Titz von Titzenhofer erscheint in der neuen Sonderausstellung seines ehemaligen Arbeits- und Wirkungskreises - dem Unteren Schloss - als kunstsinniger Förderer des Greizer Kultur- und Vereinslebens, denn er wirkte neben seiner Tätigkeit als Hofmarschall und Kustos der Fürstlichen Kunstsammlung im Musikverein, Kunstverein und Verein für Greizer Geschichte mit.

Auch seinem Engagement ist es zu verdanken, dass die von ihm mitbetreuten Sammlungen des Vereins für Greizer Geschichte durch die Eröffnung des ersten "Museums für Greizer Geschichte" am 13. Oktober 1912 in Räumen der Webschule der Öffentlichkeit präsentiert werden konnten. An seiner Person wird deutlich, dass viele Aspekte des höfischen und bürgerlichen Lebens im 19. Jahrhundert gleichermaßen zur Entwicklung der kulturellen Vielfalt unserer Residenzstadt Greiz beitrugen.

Die Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz stellen mit dieser großen Sonderausstellung in 10 Räumen des ehemaligen Residenzschlosses der Fürsten Reuss Aelterer Linie - dem heutigen Museum im Unteren Schloss - die Fürstliche Hofhaltung am Ende des 19. Jahrhunderts und wichtige Anlässe, bei denen die Aufgaben der Hofhaltung erlebbar wird, in den Fokus. 

 

 

Wolfgang Dreßler - Wege finden... zum 85. Geburtstag


Sonderausstellung im Kleinen Fürstensaal im Museum im Oberen Schloss vom 10.08. - 03.12.2017

Im Jahre 2013 übergab Wolfgang Dreßler den Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz eine Auswahl von 85 Arbeiten aus seinem Oevre.

Für die Stadt Greiz ein willkommener Anlass, den Schenker - mit einer besonderen Vorliebe für Hefeklöße mit Heidelbeeren und hohe Berge - zu seinem 85. Geburtstag durch diese Sonderausstellung zu ehren.

Seine ausgestellten Arbeiten sind persönliche Momentaufnahmen aus Vergangenheit und Gegenwart. 

Visualisierte Gefühle, Beobachtungen, Auseinandersetzungen und Fragen dominieren seine Bilder - münden schließlich in ganz persönlichen Sichtweisen.

Ohne Suche kein Finden!

Wege finden ...

Zum Ausstellungsthema formulierte W. Dreßler kürzlich folgende Gedanken:

"Die Säulen eines Kirchenschiffes atmen Schönheit und Harmonie, die Blautöne der Berge regen mich zu einer Bergtour an und der schmale Treppenaufgang der Himmelsleiter Greiz wird zum Motiv meiner Neujahrsgrafik. 

Schritt für Schritt taste ich mich vor, horizontsüchtig.

Das Glück erhoffend, um neue Wege zu finden.

Dabei habe ich oft den Kopf in den Wolken, denke über Kunst nach und hoffe den Halt unter den Füßen nicht zu verlieren.

Ich weiß, alles im Leben ändert sich wie eine sich bewegende Spirale!

Es gibt keinen festen Dauerzustand, gäbe es ihn, es wäre unerträglich!"

Seine ausstellungsbegleitenden Gedanken werden im Museum im Oberen Schloss durch Farben und Formen erlebbar.

Autobiografische Aspekte des Greizer Künstlers und Kunsterziehers werden mit persönlichen sowie künstlerischen Entwicklungen, die in den Sujets seiner Kompositionen nachvollziehbar sind, verknüpft.

Im Kleinen Fürstensaal des Oberen Schlosses Greiz bildet eine kleine Auswahl seiner älteren Werke den Auftakt - überwiegend sind jedoch Arbeiten der letzten Jahre zu sehen, die seine Lebensmaxime sehr lebendig illustrieren.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie

Wege finden ...,

unsere Einladung zur Ausstellungseröffnung am 10. August 2017, 18 Uhr, im Kleinen Fürstensaal des Oberen Schlosses Greiz zu berücksichtigen, um mit dem Jubilar und uns auf die Zukunft anzustoßen.